Hypothese 1

Unsere erste These lautet: „Burn-out tritt vor allem bei Menschen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren auf, die im Berufsleben stehen.“

Diese These war von Anfang an eine der problematischsten, denn wir standen vor zahlreichen verschiedenen Problemen, um sie zu überprüfen.

Zunächst mussten wir uns fragen, ob es überhaupt möglich ist, mit Hilfe von Korpora Altersgrenzen und Berufsangaben zu ermitteln. Wir haben dennoch versucht, zu einigen Ergebnissen zu kommen und uns dagegen entschieden, diese Hypothese einfach zu verwerfen.

Methodisch haben wir mit logischen Operatoren und Abstandsoperatoren in COSMAS II gearbeitet und sind dabei erneut auf diverse Schwierigkeiten gestoßen, im Folgenden mehr dazu.

Bei der Eingabe des Wortes „Burnout“ erzielten wir folgende Ergebnisse:

2.860 Treffer 1.687 Texte 23 Jahrgänge

 

Da wir herausfinden wollten, wie der Begriff Burnout mit Wörtern wie Arbeit, Beruf und Berufsleben zusammenhängt, haben wir die Suche verfeinert und dazu vergleichend nach dem Zusammenhang von Burnout mit Schule, Jugendlichen und Kindern gesucht. Die Recherche brachte folgende Ergebnisse:

Burnout AND & Arbeit

430 Treffer 430 Texte 22 Jahrgänge

 

Burnout AND &Beruf

292 Treffer

292 Texte

23 Jahrgänge

 

Burnout AND Berufsleben

66 Treffer 66 Texte 12 Jahrgänge

 

Burnout /+w7 Beruf

 

Treffer

Texte

Jahr   

Formularbeginn

Formularende

1

1

1996

1

1

2003

1

1

2010

22

22

2011

1

1

2012

1

1

2013
27

27

6 Jahrgänge

 

 

Burnout /+w7 Arbeit

19 Treffer

18 Texte 11 Jahrgänge

 

Burnout /+w7 Schule

Ihre Suchanfrage lieferte keine Treffer.

 

 

Burnout /+w7 Jugendliche

1

1

Erwachsene leiden zunehmend unter

Burnout, Jugendliche stöhnen unter den Belastungen des verkürzten

 

Burnout /+w7 Kinder

4 Treffer:

1

BRZ12/JUL.10307 Braunschweiger Zeitung, 21.07.2012; Gesundheitstag – Gewonnen hat das Thema Burnout

Burnout bei Erwachsenen und Belastungsstörungen bei Kindern – Dr. Wolfgang Schlüter, Sprecher des Vechelder Ärztekreises, Allgemeinmediziner und Psychotherapeut, sowie Kinderarzt Dr. Martin Jentzsch sind die Experten vor Ort. Am 13. Oktober wird es um Fragen gehen wie: Wie erkenne ich Burnout? Wie bringe ich die „Stresswaage“ wieder ins Gleichgewicht? Gibt es Menschen, die eher zum Burnout neigen? Und speziell was Kinder angeht: Wie entstehen bei Kindern Belastungssituationen, die die Entwicklung gefährden können? Ist es Überforderung oder Unterforderung?

2

BVZ09/JUN.00272 Burgenländische Volkszeitung, 03.06.2009, S. 3; Zu wenig Bewegung schon in der Schule

Burnout das Thema” Für die Kinder fehlt wohl die Vorbildwirkung, doch auch die Erwachsenen leiden unter den Folgen der modernen Arbeitswelt. Der Eisenstädter Arzt und Bergführer Dr. Andreas Paul meint: “Natürlich sollten sich die meisten meiner Patienten mehr bewegen. Das wissen aber auch alle. Ich beobachte aber, dass die meisten im Arbeitsleben derart unter Druck sind, dass ich mich wirklich frage, wann die mehr Bewegungseinheiten unterbringen sollen. Gesundes Leben, auch die Ernährung, braucht Zeit, die aber niemand hat!”

3

SOZ12/AUG.02413 Die Südostschweiz, 09.08.2012, S. 21; Im Tessin fand der Heimatlose Ruhe

Nach dem Tod des Vaters fällt Hesse 1916 in eine tiefe Krise. Er beginnt eine Psychoanalyse. Mia erleidet ein Burnout und landet in der Psychiatrie. Die Kinder werden fremdplatziert. Hesse zieht 1919 allein ins Tessin.

4

PBW/W14.00109 Protokoll der Sitzung des Parlaments Landtag von Baden-Württemberg am 03.02.2011. 109. Sitzung der 14. Wahlperiode 2006-2011. Plenarprotokoll, Stuttgart, 2011 [S. 7870]

An diesen wenigen Stichpunkten lässt sich erkennen, dass wir es mit einem großen Feld zu tun haben: Die Gesellschaft verändert sich. Stress, Burnout, das betrifft nicht nur Erwachsene; Kinder und Jugendliche sind ein Spiegelbild der Gesellschaft und sind manchen Entwicklungen hilfloser und schutzloser ausgeliefert als Erwachsene. Sie haben es verdient, dass wir sie unterstützen und begleiten.

 

FAZIT:

Das Wort Burnout steht viel öfter im Zusammenhang mit den Wörter Arbeit und Beruf ( 833 Treffer) als mit Kindern und Jugendlichen (5 Treffer).

Daraus folgend könnte man ableiten, dass Burnout vor allem bei Menschen, die im Berufsleben stehen, auftritt. Das ist jedoch problematisch, denn sieht man sich die einzelnen Ergebnisse bzw. Texte aus dem Korpus genauer an, so stellt sich heraus, dass in vielen Treffern nur einer der zwei gesuchten Begriffe vorkommt. Besonders häufig ist dies beim logischen Operator „AND“ der Fall. Sinnvoller ist für solch eine Suche deshalb die Arbeit mit Wortabstandsoperatoren, die zuverlässigere Ergebnisse liefern.

Burnout AND Arbeit

A99/NOV.80775 St. Galler Tagblatt, 16.11.1999, Ressort: TB-FOR (Abk.); «Die Folgen wären fatal» 

Der Anspruch, mit immer weniger Mitteln eine gleichbleibende Pflegequalität zu erbringen, führt viele Pflegende zum Burnout und sogar zum Berufsausstieg. Dieser Situation mit einer Rationierung von Pflegeleistungen im Bereich Körperpflege, Gespräche und Zuwendung zu begegnen, ist mit Sicherheit der falsche Weg. Die Folgen bei den Betroffenen (Patientinnen, Patienten und Pflegende) wären fatal: Die Fluktuation beim Pflegepersonal wird weiter zunehmen, und die Pflegequalität wird unweigerlich sinken. Weiter wird behauptet, dass Pflegende immer mehr zusätzliche Arbeiten erledigen müssen und sich so «weg vom Patientenbett, hin zum Papier bewegen». An dieser Stelle haben die Autoren nicht unrecht. Der administrative Aufwand nimmt einen grossen Teil der täglichen Arbeitszeit in Anspruch. Hier könnten (und werden auch schon) verschiedene, pflegefremde Aufgaben an andere Dienste, z. B. an Stationssekretärinnen, delegiert werden.

 

Als nächstes wollten wir herausfinden, ob Burnout tatsächlich bei Menschen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren auftritt. Wir haben weiter mit Cosmas II gearbeitet. Bei den Suchanfrage haben wir Burnout AND Alter eingegeben und folgende Ergebnisse erzielt:

 

Burnout AND Alter

169 169 15 Jahrgänge

 

Die Ergebnisse haben wir uns erneut genauer angeschaut. Auch hier gab es wieder viele Texte, die nicht zu unserer Untersuchung passten bzw. die nicht von Bedeutung waren (Dies waren häufig Texte, die sich entweder nur mit dem Thema Burnout oder nur mit dem Thema Alter beschäftigten ohne dass die Begriffe miteinander in Zusammenhang gebraucht wurden).

Folglich konnten wir nach dieser Recherche nicht feststellen, in welcher Altersgruppe Burnout vorwiegend auftritt. Allerdings sind wir dafür zu einem anderen interessanten Ergebnis gekommen: Neben 88 Texten, die für unser Thema nicht relevant waren, gab es immerhin in 66 von 169 Texten Treffer, die Zusammenhang mit Burnout und Arbeit standen, allerdings nur zwei, die sich auf Schüler oder Kinder bezogen. Zudem tauchten in den Ergebnissen einige Berufe wie Lehrer, Erzieher, Polizist, Manager, Pfleger oder Sportler auf.

Dazu haben wir einen interessanten Artikel in der ZEIT (Online) gefunden. Der Text behandelt das Thema, warum Burnout besonders häufig in Berufen auftritt, in denen es darum geht, sich um andere Menschen zu kümmern, warum also bestimmte Berufsgruppen besonders häufig unter den Burnout-Patienten zu finden sind. Der Artikel ist online unter: http://www.sueddeutsche.de/karriere/burn-out-in-sozialen-berufen-helfen-kann-suechtig-machen-1.1430816 zu finden.

Zusammenfassend können wir unsere Hypothese nicht eindeutig bestätigen, vor allem das Alter der Betroffenen lässt sich kaum feststellen. Allerdings scheint sich die Tendenz zu bestätigen, dass Burnout vor allem bei Menschen im Berufsleben auftritt und bei Jugendlichen, Studenten und Kindern viel seltener auftritt. Zudem haben wir einige sehr häufig auftretende Berufsgruppen herausgefunden. Dies wäre ein interessanter Ansatzpunkt für weitere Forschungen.

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