Hypothese 2

Unsere zweite Hypothese lautet „Das Wort Burn-Out hat in den letzten 30 Jahren einen semantischen Wandel erfahren.“

 

Die Untersuchung dieser Hypothese hatten wir uns sehr einfach vorgestellt, doch dies gestaltete sich schwieriger als gedacht.

Unser erstes Problem trat bei der Abfrage im britischen Nationalkorpus BNC (British National Corupus online unter: http://corpus.byu.edu/bnc/x.asp?r1=&w=1252&h=704) auf. „Burnout“ (klein geschrieben) lieferte lediglich 13 Treffer, eindeutig zu wenig um einen semantischen Wandel auch nur annähernd belegen zu können. Auch die Suche nach „burn-out“ ergab nur 16 Treffer.

Deshalb haben wir anschließend mit zwei amerikanischen Korpora gearbeitet: dem Corpus of Contemporary American English, COCA, (http://corpus.byu.edu/coca/x.asp?r1=&w=1252&h=704 und dem Corpus of Historical American English, COHA.(http://corpus.byu.edu/coha/x.asp?r1=&w=1252&h=704). Eine nähere Erläuterung zu diesen Korpora findet sich auf dieser Seite unter dem Menüpunkt „Datengrundlage“.

Da die amerikanischen Korpora weit größer sind als das britische finden sich viel mehr Treffer. Für „burn-out“ sind es 1867 im COCA, im COHA allerdings nur 15, also ebenfalls zu wenig, um Aussagen über einen semantischen Wandel treffen zu können.

Die vielen Treffer im COCA helfen uns allerdings auch nicht weiter, denn im COCA gibt es nur Ergebnisse ab 1990, zu kurz also, um einen semantischen Wandel untersuchen zu können. Die Arbeit mit dem COCA bringt uns folglich für unsere Arbeit nichts.

Im COHA versuchen wir die Abfrage „burnout“ und tatsächlich gibt es bei dieser Schreibweise 118 Treffer, den ersten bereits 1941. Hier die ersten 20 Ergebnisse:

 

1941

” The topless Ford lurched, one wheel at a time, through the deep burnout by their pasture corner, and the boy clambered out with his gun in his

1958

to total weight) of Atlas by the amount done here, enormously increases its burnout velocity and’ or altitude. The normal payload of, say, two tons

1960

the usual manner of space publicists, the Russian scientists insisted that, before the burnout, ” the planned program ” had been accomplished and ” the information obtained yielded

1962

as he pivoted, destroying the eyes and ears of the ship — unless the burnout he had effected below had already done that. A flash of automatic fire from

1964

will yield 71/2 million pounds of thrust. In terms of electric power at stage-one burnout, this thrust is equivalent to more than 67 times the generating capacity of the

1964

two rocket stages. The first develops a thrust of 430,000 pounds, equivalent at burnout velocity to more than six million horsepower, or the combined power of 32,000 medium-size

1967

job because of not being registered for classes, and also because of the economic burnout, as Mr. Eustace Chisholm calls it. ” He giggled awkwardly in the face

1967

anotheryear, however, to place them. This was the depths of the economic burnout (as Eustace Chisholm called it) and nobody — friend, relative, church

1967

The technique consists of applying continuous power from the launch to injection into orbit. Burnout is timed to occur at point 0 at the correct velocity and pointed in the

1967

(a). This technique involves a coast to a higher altitude from the burnout altitude, then injection into orbit at this altitude. The technique illustrated in part

1972

. at full tilt, carrying every volt they could handle. To prevent a burnout and collapse of the whole network, Con Edison executives ordered a shutdown. The

1976

the University of California. After nearly two years Of research Maslach is convinced that burnout is a widespread though little-recognized affliction among those whose job draws them near the problems

1976

they all get their checks. ” SERIOUS PERSONNEL shortages also were found to hasten burnout in other professions. Maslach recalls one immigration worker who said case workers in his

1976

data from 200 in? depth Interviews, Maslach was surprised at the consistency of burnout symptoms across a wide range of people-related professions. AND PERIMPS mast disturbing of all

1976

are just animals, ” Both of these social service workers were suffering from- ” burnout, ” an emotional, ailment so labeled by Dr. Christina Maslach, assistant psychology

1976

reduce the work load — Maslach is convinced other steps can be taken to curtail burnout. In one of the psychiatric wards studied, for instance, nurses are permitted

1976

successfully to deal with stress, Maslach found that they often degenerate into a detached burnout state. ” The professional dons such a thick armor that nobody can get through

1976

to the staff of an alcoholics’ treatment center. As she described how common burnout is, one woman burst into tears. ” She cried because she had been

1980

it is rewarding. # Noureen Byrd # Grand Prairie, Texas # ” Teacher burnout ” indeed. What American education needs is more grit and determination and less weeping

1981

decline. But before the council study, Mr. Simpson blamed the problem on ” burnout ” of the doors’ motors caused by passengers’ holding the doors open too

 

In den ersten Treffern steht das Wort „burnout“ meist in technischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen (Raumfahrt, Autos, Economy), erst 1976 ist das erste Mal von „burnout“ als Krankheit (Maslach-Kriterien zur Diagnose von Burnout) die Rede.

Das könnte ein Hinweis auf einen semantischen Wandel sein, allerdings ist die Datengrundlage, die uns vorliegt, für solch einen Schluss völlig unzureichend.

 

Für unsere Hypothese haben wir weiterhin untersucht, wann das Wort Burnout Eingang in die deutsche Sprache gefunden hat, und sind, je nach Recherchequelle, zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Der Google N-Gram-Viewer (vollständige Suchabfrage und weitere Erläuterungen siehe Menüpunkt „Vorläufige Ergebnisse“) verlegt den Eingang des Wortes in die deutsche Sprache, je nach Schreibweise, irgendwo zwischen die 30er und 80er Jahre.

Auch in COSMAS II und beim DWDS unterscheiden sich die Ergebnisse nach Schreibweisen:

 

COSMAS II:

Burnout 1992

Burn-out 1993

burnout 1990

DWDS:

Burnout 1996

Burn-out 2000

Burnout 1996

 

Im polnischen Nationalkorpus sieht es folgendermaßen aus:

NKJP burnout 2000

Burnout 2000

 

Allerdings beziehen sich diese Treffer wieder einmal auf das Burnout-Computerspiel, der erste für unsere Suche relevante Treffer stammt aus dem Jahr 2007:

 

Tytuł: Wypalenie zawodowe
Wydawca: Unimedia Sp. z o.o.
Źródło: Praca i Zdrowie
Kanał: #kanal_prasa_miesiecznik
Typ: #typ_publ
Autorzy: Dorota Nowicka,  
Data publikacji: 2007-02-03
Czym jest wypalenie zawodowe?
Wypalenie zawodowe (professional burnout ) to odpowiedź organizmu na
stres, którego źródłem jest sytuacja pracy. Może być ono reakcją na długotrwałe przeciążenie obowiązkami, zbyt odpowiedzialne i trudne zadania lub wyczerpującą, monotonną i nudną pracę. W takich warunkach następuje utrata motywacji do pracy, a działania, pierwotnie wykonywane z pasją i przyjemnością, teraz są kojarzone z przymusem. Objawy, odnosząc się początkowo bezpośrednio do naszego funkcjonowania w pracy, stopniowo ogarniają pozostałe obszary życia człowieka.
Czy można wyróżnić konkretne symptomy wypalenia, nazwać je?

 

Fazit:

 

Unsere Hypothese über den semantischen Wandel des Wortes „Burnout” können wir nicht bestätigen, weil schlicht und einfach die Datengrundlage zu schlecht ist. Es mag sein, dass dieser semantische Wandel stattgefunden hat, nur belegen können wir ihn nicht.

Als Vergleich haben wir noch einen weiteren Arbeitsschritt unternommen, der ebenfalls kein gesichertes Ergebnis geliefert hat, aber immerhin eine Tendenz, die sich vielleicht weiter verfolgen und vertiefen ließe.

Wir haben das deutsche „Quasi-Synonym” für Burnout in COSMAS II eingegeben: ausgebrannt bzw. Ausbrennen. Wir wollten sehen, ob sich die Verwendung dieses Begriffs vielleicht über die Jahre ebenfalls verändert hat (wie wir es in der englischen Sprache für Burnout vermuten).

Für „ausgebrannt” finden sich 8.306 Treffer, der erste von 1958.

Wir sehen uns die Texte genauer an und die meisten Ergebnisse zwischen 1958 und etwa 1990 befassen sich vorwiegend mit dem Ausbrennen von Häusern, Autos usw. Mit diesem Ergebnis war selbstverständlich zu rechnen, doch ab 1990 wird „ausgebrannt” immer häufiger in Zusammenhang mit Menschen und ihrem Gemütszustand verwendet. Wir haben aufgrund dieser ersten kleinen Untersuchung den Eindruck, dass es im deutschen für das Wort „ausgebrannt” einen semantischen Wandel gegeben haben könnte, allerdings wären, um dies zu belegen, weitere und umfangreichere Untersuchungen notwendig.

Ebenfalls interessant wäre es, zu untersuchen, inwiefern „ausgebrannt” bzw. „Ausgebranntsein” synonym mit dem englischen Begriff „Burnout” verwendet werden oder inwiefern „Burnout” diese Begriffe verdrängt.

 

 

Ein Gedanke zu “Hypothese 2

  1. Die Ergebnisse zur Verwendung von “ausgebrannt” sind hochinteressant! Es könnte also sein, dass die Tendenz immer stärker dazu geht, das Wort metaphorisch zu verwenden.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>