Linguistische Imageanalyse (LIma) an den Beispielen der Türkei und Türken in deutschsprachigen Medien nach Friedemann Vogel

Im Rahmen des Seminars „Einführung in die Korpuslinguistik“ werden verschiedene Ansätze zur Erstellung von linguistischen Korpora und deren Untersuchung verdeutlicht. Mein Fokus liegt innerhalb dessen auf der Untersuchung einer wissenschaftlichen Studie zu einem Startlexem, welche ein Medienkorpus zur Grundlage hat und dessen Analyse beinhaltet.

In dem wissenschaftlichen Paper von Friedemann Vogel untersucht er detailliert das linguistische Image des Lexems „türk“ und damit verbundene Komposita, wobei er in der Einleitung generell Stereotype und öffentliches Medienimage anhand verschiedener linguistischer Disziplinen und Ansätzen. Ich befasse mich jedoch vor allem mit dem Teils des Studie, worin er das Verfahren zur Imageanalyse an dem oben genannten Lexem exemplifiziert. Wichtig erschienen mir in der Einleitung jedoch die Fakten, dass man zur Durchführung einer solchen Studie vor allem wertneutrale Lexeme braucht und sich eine solche Analyse hervorragend zur Herausbildung von Stereotypen großer Gruppen Institutionen eignet. Außerdem erscheinen große Datenmengen und langgestreckte Zeiträume besonders gut einsetzbar.

Das Verfahren zur Imageanalyse beinhaltet folgende Schritte:

  1. Zusammenstellung eines KorpusUntersuchung von 52.377 Texten aller Gattungen aus den Medien Spiegel, Focus, Stern, Frankfurter Rundschau, Welt, Welt am Sonntag und der tagezeitung in den Jahren 1999-2008. Aus der Reichweite der gewählten Medien können somit unterschiedliche Perspektiven, vor allem im politischen Sinne gewährleistet werden.
  2. Mehrstufige Kookkurrenzanalyse von Türkei, Türkinnen, Türken und Clusterung sowie Analyse
    Hierbei werden alle ebenen der Sprachanalyse berücksichtigt (Morphologie, Lexik, Syntax, Text und Kotext)
  3. Zusammenfassung und Resümee
    Eine Auswertung mit Hinblick auf Sprachmuster und damit abzuleitende Standardwerte semantischer Stereotype 

Mein Schwerpunkt der Untersuchung befasst sich vor allem mit dem ersten Teil der Kookkurrenzanalyse, welche insgesamt vier umfasst. Hierbei untersucht er Lexeme und Komposita von „türk“ durch qualitative Suchanfragen und Clusteranalysen, interpretiert diese, um sie in die folgende Ordnung einzubetten und Sprachmuster zu eruieren (ich zeige nur einige von vielen Beispielen zu Verdeutlichung):

a) Wortstamm: mit unterschiedlichsten Flexionsformen und Graphemen

  • Türkei, türkisch, türkischem

b) Lexeme die türkisch kulturell oder geografische Herkunft anzeigen:

  • Gebirgstürken, westtürkisch, Türkentum

c) Komposita im Zusammenhang mit der Wissenschaft: hier wird aus deutscher Perspektive als Untersuchungsgegenstand anerkannt

  • Türkeistudien, Türkeispezialist

d) Das Morphem „türk“ in Eigennamen:

  • Kemal Atürk, im Zusammenhang mit türkischen Fussballvereinen

e) Schlagwörter: oft im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt oder Integration genannt

  • Türkeifrage, Türkeiproblem, Türkeidebatte

f) Komposita zum EU-Beitritt:

  • Türkeibeitritt

g) Komposita zum Erholungswert:

  • Türkeireise, Türkeiurlaub

h) Türken und Türkei zum Thema Ironie und Vorurteilen: das geschaffene Bild erschient hier eher rückständig, unterdrückend und patriarchalisch

  • Türkenwitze, Türkenklischee

i) edukatorischer Kontext:

  • Türkischkenntnisse, Türkischkurs

j) türkische Musik:

  • Türkpop, Türkenoper

k) türkische Geschichte, historische Invasionskriege:

  • Türkenkriege, Türkenschlacht

l) Schimpfwörter:

  • Türkenpack, Prolltürke

m) Verwendung als Verb:

  • türken, getürkt (eher negatives Attribut)

n) Berufskontexte:

  • Türkenmarkt, Gastarbeitertürke

o) Türkisch-Sein als Identität mit Abstufungen:

  • Ausnahmetürke, Untürke, Prototürke, Vorzeigetürke

p) Fussball:

  • Türkeifans, Jubeltürken

q) kaum Vorhandensein von Komposita mit religiösem Hintergrund, außer:

  • Kopftuchtürkin, Türkenbuch

r) junge Türken:

  • Türkenbengel, Türkenjunge

Natürlich stellt diese Einordnung nur den ersten Part der vierteiligen Kookkurrenzanalyse dar und so möchte ich auch nur kurz auf das Resümee eingehen, um nicht, der Vollständigkeit halber, komplett alles vorwegzunehmen.
So kann ich nach Vogel kurz zusammenfassen, dass das Image der Türkei und der Türken in den deutschsprachigen Medien geteilt erscheint. Es sehen sich sehr positive Attribute wie sportlich, fleißig, angepasst, unternehmerisch, integriert und gastfreundlich den negativen wie konservativ, gewalttätig, patriarchalisch, uneuropäisch und unterdrückend gegenüber stehend.

Auf der Internetseite von Herrn Friedemann Vogel, kann man einen tieferen Einblick in dessen Untersuchungsstrategien und Analysen finden:

http://www.friedemann-vogel.de/forschung/linguistische-imageanalyse

Mein zu bearbeitendes Paper kann man als Abstract unter http://www.friedemann-vogel.de/forschung/linguistische-imageanalyse einsehen.

One thought on “Linguistische Imageanalyse (LIma) an den Beispielen der Türkei und Türken in deutschsprachigen Medien nach Friedemann Vogel

  1. Frau Moczygemba leidet etwas darunter, dass sie von ihrer Kommilitonin allein gelassen wurde. Eigentlich hätte die Zusammenfassung ein Gemeinschaftswerk werden sollen. Dies soll ihr nicht angelastet werden.

    Trotzdem ist die Einführung arg kurz. Warum untersucht Vogel diese Lexeme? Was versteht er unter “Image”? Warum korpuslinguistisch? Warum Massenmedien?

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