Zusammenfassung von ,,Die Ordnung des öffentlichen Diskurses der Wirtschaftskrise und die (Un-) Ordnung des Ausgeblendeten“

Petra Storjohann und Melani Schröter untersuchen in ihrem Text den Diskurs zur Wirtschaftskrise. Der lexikalische Ausdruck “Wirtschaftskrise” steht für politische und soziokulturell brisante Debatten und seine semantische Analyse zeigt den engen Zusammenhang zwischen Sprache und Gesellschaft. Die Ermittlung relevanter Kontextbeziehungen, wie sie in Kollokationen vorhanden sind, und regelhafter Verwendungsmuster spielt für seine Beschreibung die wichtigste Rolle. Die Studien knüpft an korpuslinguistische Verfahren und benutzt statistische Methoden, um die Diskursstrukturen und die sprachlichen Regelmäßigkeiten mithilfe der Analyse von Kollokationen aufzudecken, wobei auch Implizites und Verborgenes in einem Korpus erfasst werden soll. Untersuchungsgegenstand ist ein umfangreiches Korpus mit Zeitungstexten aus dem Jahr 2009. Die Auswertung der einzelnen Kollokatoren und die Analyse ihrer Beziehungen zum Suchwort anhand dem Korpus ermöglicht eine Interpretation der Datenlage, die einen framesemantischen Modell folgt. Konerding (1993, 435-439) hat ein Verfahren für Substantive entwickelt, bei dem Frames (z.B. “Ereignis”) durch Slots und deren mögliche lexikalischen Füllwerte beschrieben werden. Diese Slots werden nach “Prädikatorentypen” unterschieden. Im Fall des Frames “Wirtschaftskrise”, das dem Matrixframe “Ereignis” entspricht, z.B.:

  1. Entstehungsumstände bzw. Bedingungen, unter denen die Wirtschaftskrise stattfindet
  2. Übergeordneter Zusammenhang, in dem die Wirtschaftskrise eine Rolle spielt
  3. Funktionen/Rollen, die die Wirtschaftskrise in diesem übergeordneten Zusammenhang erfüllt
  4. Wesentliche Phasen/Teilergebnisse
  5. Eigenschaften, die die Wirtschaftskrise aufweist

Eine Matrix wird benutzt, um die Kollokationen des Suchwortes nach diesen Frame-Prädikatorentypen zu sortieren und verstehen, welche Rollen (Slots) typischerweise durch welche Füllwörter realisiert werden und welche nicht. Im Aufsatz werden die sogenannte Matrixframes von Konerding zum deutschen Substantivbestand für die Deutung des Wirtschaftskrisen-Diskurses als Rahmen benutzt. Die Ereignismatrix zeigt erwartbare Standardwerte, also solche, die typischerweise verschiedenen Ereignissen zugeschrieben werden. Und die kollokationsbasierten Füllwerte haben hinsichtlich ihres Grades an lexikalischer Kohäsion unterschiedliche Signifikanzwerte. (Mit Signifikanz wird der Grad der lexikalischen Kohäsion erfasst, welche sowohl die Häufigkeit als auch die kontextuelle Entfernung des gemeinsamen Auftretens berücksichtigt.) Anhand der Matrix kristallisiert sich heraus, welche Wissenskategorien mit welchen Werten und mit wie vielen Werten versehen sind, und darüber hinaus, welchen Typikalitätsstatus diese Füllwerte im Korpus innehaben.

Das Framesemantische Modell führt auch Frames auf, die im untersuchten Diskurs nicht vorkommen. Der Grund dafür liegt darin, dass in einem Diskurs bestimmte Aussagen vermieden werden. Bei diesen unbesetzten Slots konnten die Forscher Gegenprüfung machen und nach offenbar abwesenden Kollokationen noch einmal gezielt suchen.
Durch eine lexikalisch-semantische Analyse über die aufgeführten Schemata kann man feststellen, dass das Betroffensein von der Krise besonders im Vordergrund steht und dafür kaum Aussagen über die Gründe der Krise zu finden sind, es wenig Prädikate gibt, die die Ursachen und die Entwickelungsbedingungen sowie die Folge der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 näher bestimmen. Angesichts auffälliger Parallelen zwischen dem Wirtschaftskrisen- und Globalisierungsdiskurs wird ein Vergleich gezogen. Beide Diskurse haben Unterschiede bei den angewendeten Wörtern, der Charakteristiken, Ähnlichkeiten bei Betonung der Folge des Ereignisses und Ausblendung seiner Ursache.

  • Storjohann, Petra ; Schröter, Melani: Die Ordnung des öffentlichen Diskurses der Wirtschaftskrise und die (Un-) Ordnung des Ausgeblendeten. In: Aptum. Zeitschrift für Sprachkritik und Sprachkultur Bd. 7 (2011), Nr. 1, S. 32–53

One thought on “Zusammenfassung von ,,Die Ordnung des öffentlichen Diskurses der Wirtschaftskrise und die (Un-) Ordnung des Ausgeblendeten“

  1. Ich habe noch ein bisschen in den Text eingegriffen: Sie benötigen natürlich eine Quellenangabe zum zusammengefassten Text und sollten in der Einleitung auch explizit erwähnen, von wem der Text ist! Zudem meine ich, ist es anschaulicher, wenn man ein Beispiel für das Framemodell macht.

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