HKs des Wortschatztrainers

Häufigkeitswerte beim A1 und A2 Wortschatz-Intensivtrainer Langenscheidt

Im Fremdsprachenunterricht ist Sprachkompetenz in mehrere Niveaustufen gegliedert: Laut Goethe-Institut beinhaltet die Lernstufe A1 normalerweise ca. 600 Wörter, was gemessen am Umfang der Häufigkeitsklasse (HK) 9 entspricht. Niveau A2 beinhaltet 1200 Wörter und entspricht HK 10.

Will man die Häufigkeitsklassen für die Bestimmung des DaF-Wortschatzes heranziehen, gehe ich davon aus, dass das Vokabular beginnend bei der niedrigsten Klasse aufsteigend zu höheren Klassen gelehrt werden soll. Was wiederum bedeuten würde, dass in den niedrigsten Klassen die für Deutschlerner relevantesten Wörter vorkämen. Demnach müssten die A1 Lehrwerke ausschließlich den Wortschatz bis zur Häufigkeitsklasse 9 enthalten und A2 Lehrwerke die Häufigkeitsklasse 10.

Daher wäre es interessant, einen bereits bestehenden Wortschatz auf seine Häufigkeitsklassen zu untersuchen und herauszufinden, ob der Wortschatz in A1 tatsächlich nur die HK 9 beinhaltet und A2 ausschließlich HK 10.

Um eine Analyse für die Elementarstufe durchzuführen und ebendieses Vokabular mit Häufigkeitswerten zu bestimmen, habe ich den Wortschatz Intensivtrainer von Langenscheidt herangezogen, der sich am europäischen Referenzrahmen orientiert. Die Häufigkeitsklassen des Vokabulars habe ich mithilfe des Wortschatzportals der Universität Leipzig ermittelt (http://wortschatz.uni-leipzig.de/).

wortschatz leipzig screenshot

Der Wortschatz ist in folgende Themenbereiche gegliedert:

  1. Person
  2. Familie und Freunde
  3. Körper – Hygiene – Gesundheit
  4. Post – Telefon – Bank – Ämter – Polizei
  5. Verkehr
  6. Reisen
  7. Essen und Trinken: Einkaufen
  8. Essen und Trinken: Restaurant – Imbiss – Einladung
  9. Freizeit – Kommunikation
  10. Lernen
  11. Arbeit und Beruf
  12. Wohnen
  13. Zeit – Uhr – Woche
  14. Datum – Jahreszeiten – Wetter
  15. Wörter und Grammatik
  16. Zahlen – Maße – Gewichte

 

Bei der Analyse zum Themenbereich „Person“ kam ich zu folgenden Ergebnissen:

 

Verben

HK

Nomen 1

HK

Nomen 2

HK

Adjektive

HK

heißen

9

Name

9

Deutschland

6

alt

8

geboren

9

Vorname

14

Europa

7

ledig

15

sein

4

Familienname

15

Europäer

11

verheiratet

10

kommen

6

Geburtsjahr

15

Geburtsort

13

geschieden

13

wohnen

10

Geburtstag

9

Adresse

10

männlich

13

Alter

8

Postleitzahl

14

weiblich

13

Familienstand

16

Stadt

6

deutsch

10

Beruf

9

Straße

7

europäisch

14

Hausfrau

13

Hausnummer

14

Hausmann

14

Herr

8

Student

11

Frau

6

Schüler

7

Land

6

Schülerin

11

Als erstes fällt auf, wie breit die Spannweite der Häufigkeitsklassen ist: Sie reicht von HK 4 bis HK 16. Allerdings beinhaltet der Wortschatzumfang von A1 lediglich 600 Wörter, was der Häufigkeitsklasse 9 entspricht. Das würde also bedeuten, dass sich Wörter mit viel zu hohen Werten für das Anfängerniveau im Langenscheidt-Wortschatz befinden.

Betrachtet man die Vokabeln jedoch genauer, stellt man schnell fest, dass genau dieser Wortschatz für eine erste Lektion sinnvoll erscheint. Erfahrungsgemäß befindet sich das Verb „heißen“ unter den ersten Wörtern, die man in einer Fremdsprache lernt, um sich überhaupt anderen Leuten vorstellen zu können. Aufgrund der Analyse gehört es lediglich der HK 9 an, was wiederum bedeuten würde, dass man es wohl am Ende der Niveaustufe A1 lernen würde.

Auch „wohnen“ wurde einer hohen Häufigkeitsklasse zugeordnet, nämlich der 10., die dem Umfang zufolge schon zu A2 gehört.

Ruft man sich nun den eigenen ersten Englisch- oder Französischunterricht ins Gedächtnis, erinnert man sich, dass die erste Stunde meist die „Begrüßungsformen“ beinhaltet, in der man sich selbst vorstellt: „Hallo, ich heiße…, ich komme aus…“, und generell lernt, Angaben zur eigenen Person zu machen. Grund dafür ist, dass „Neuankömmlinge“ zu Beginn ihres Deutschlandaufenthalts häufig Behördengänge tätigen müssen, bei denen Formulare ausgefüllt werden sollen. Ganz abgesehen davon, dass man in einem neuen Land zumeist schnell neue Kontakte knüpfen möchte. Und natürlich läuft so etwas über ein erstes gegenseitiges Vorstellen ab. Das bringt mit sich, dass zum Wortschatz der ersten Deutschlektionen Begriffe wie „Adresse“(HK 10), „Postleitzahl“(HK 14) und „Hausnummer“ (HK 14) gehören.

Das Wort „ledig“ findet man natürlich nicht im alltäglichen deutschen Sprachgebrauch und doch lernt man es gleich in der ersten Lektion. Auch das liegt vermutlich daran, dass diese Angabe auf vielen Formularen gemacht werden muss.

Sinnvollerweise sollten diese Vokabeln in derselben Lehrbuchlektion vermittelt werden, was sich mit einer Orientierung an den Häufigkeitsklassen jedoch nicht bewerkstelligen ließe, da sie unterschiedliche Werte aufweisen.

Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich bei der Angabe von Suffixen. So gehört „Schüler“ der HK 7 an, während „Schülerin“ in die HK 11 eingeordnet wird. Verständlicherweise sollten beide Wörter zusammen gelehrt werden und nicht in verschiedenen Sprachniveaustufen.

Auch in den folgenden Lektionen kristallisiert sich eine große Spannbreite der Häufigkeitsklassen heraus und ein Großteil des Wortschatzes befindet sich über der HK 9.

 

Laut Goethe-Institut beinhaltet der A2 Wortschatz etwa 1200 Wörter, was der Häufigkeitsklasse 10 entspräche.

Wortschatz A2 Themenbereich „Personen – Eigenschaften – Familie“

 

Verben

HK

Nomen

HK

Adjektive 1

HK

Adjektiv

HK

geschieden

13

Heimat

9

ledig

15

nett

11

verheiratet

10

Kontakt

9

freundlich

11

dumm

11

fühlen

9

Verwandte

12

unfreundlich

15

neugierig

12

aussehen

10

Enkel

11

höflich

13

traurig

11

Enkelin

13

unhöflich

15

froh

9

Adverb

HK

nervös

11

hässlich

14

anders

7

sympathisch

12

hübsch

12

unsympathisch

15

toll

10

faul

13

blond

14

fleißig

11

dunkel

12

intelligent

12

verwandt

13

 

Bei der Analyse des Wortschatzes fällt auf, dass im Vergleich zum A1 Wortschatz die Spannbreite der Häufigkeitsklassen nicht so weit auseinandergeht. Die Werte befinden sich zwischen sieben und 15. Vor allem fallen die durch Suffixe erzeugten Unterschiede in den Werten auf. Dass die Adjektive „freundlich“ – „unfreundlich“, „höflich“ – „unhöflich“ sowie „sympathisch“ – „unsympathisch“ verschiedenen Häufigkeitsklassen angehören, gestaltet sich meines Erachtens für eine Orientierung an Frequenzen als schwierig, da es durchaus ratsam ist, Antonyme gemeinsam einzuführen.

Dass im A2 Wortschatz noch Wörter auftauchen, die schon in A1 gelehrt wurden („geschieden“, „verheiratet“, „ledig“), ist keine Seltenheit. Allerdings gibt es auch hier wieder einen Großteil an Vokabeln, die bezogen auf die Häufigkeitsklasse, weit über dem Niveau der Elementarstufe lägen. Und doch ist es sinnvoll, sie in dieser Konstellation zu vermitteln. Da sich der Intensivtrainer am europäischen Referenzrahmen orientiert, gehe ich davon aus, dass der Wortschatz für die Elementarstufe angemessen ist.

Daraus lässt sich schließen, dass sich Häufigkeitsklassen des Deutschen zur Erstellung des DaF-Wortschatzes eher nicht als Grundlage heranziehen lassen. Grund dafür ist, dass sich das Vokabular der Elementarstufen nicht in die Häufigkeitsklassen 0-10 einordnen lässt, sondern bis zur HK 16 reicht.

Durch den Abgleich des A1 und A2 Vokabulars mit den Häufigkeitsklassen stellte sich heraus, dass sich eine Wortschatzerstellung anhand von Häufigkeitswerten als eher ungeeignet erweist. Im nächsten Schritt werde ich die Frequenzliste der deutschen Sprache analysieren und Überlegungen anstellen, ob sich der aufgeführte Wortschatz für den Deutschunterricht eignen würde.

Im späteren Verlauf sollen nun mögliche Methoden zur Erstellung eines Wortschatzes untersucht werden.

 

Ein Gedanke zu “HKs des Wortschatztrainers

  1. Sie haben sicher Recht, wenn Sie sagen, dass sich ein Lernerwortschatz nicht an den Häufigkeitsklassen des verwendeten Korpus (Wortschatz) orientieren kann. Aber müsste vielleicht einfach das Korpus anders gefasst werden?

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