Projekt-Ergebnis

Aufgrund der Untersuchung der Häufigkeitsklassen einiger A1 und A2 Lektionen im Wortschatztrainer konnte ich feststellen, dass sich eine Orientierung an Häufigkeitsklassen praktisch kaum umsetzen lässt. Die Annahme, dass der A1-Wortschatz ausschließlich Begriffe bis zur HK 9 enthält, kann aufgrund einiger Untersuchungen widerlegt werden.

Ebenso verhält es sich mit dem A2-Wortschatz, der nicht ausschließlich Vokabular bis zur HK 10 enthält.

So ergaben die stichprobenartigen Lektionsanalysen, dass das Vokabular der ersten Elementarstufe bis zur HK 16 reicht, ähnlich wie bei der A2-Stufe, die Begriffe aus Klasse 15 enthält. Wichtige Wörter zur Vorstellung der eigenen Person wie „heißen“ und „wohnen“ würden nach Orientierung an den Häufigkeitswerten (HK 9; 10) erst zum Ende der Stufe A1 bzw. zu Beginn der Stufe A2 gelehrt werden.

Während die ersten Unterrichtsstunden voll mit Funktionswörtern wären, tauchen die ersten Substantive erst relativ spät auf (Jahr HK 5; Uhr HK 6, Prozent HK 7) und sind meines Erachtens für die ersten Stunden nicht dringend notwendig. Problematisch ist hierbei, dass nur aus Funktionswörtern natürlich keine Sätze gebildet werden könnten. Daher sollte die Vokabelgrundlage für einen Wortschatz ausgeglichener aussehen, d.h. in etwa gleich viele Inhaltswörter beinhalten.

Zudem halte ich es für problematisch, dass zusammengehörige Antonyme verschiedenen Häufigkeitklassen angehören. Wird ein Antonym eingeführt, so sollte sein Gegensatzpartner ebenfalls angegeben werden.

Ein weiteres Manko der Häufigkeitsliste ist zweifellos, dass die Personalpronomen auf die Klassen 4 bis 8 verteilt sind. Für einen Sprachunterricht gestaltet sich solch eine Spannweite als heikel, da sie sinnvollerweise gemeinsam eingeführt werden sollten.

Ganz außer Acht lassen sollte man allerdings nicht, dass es natürlich keinen Sinn hätte, absolut seltene Wörter zu Beginn des Sprachunterrichts einzuführen. Aus diesem Blickwinkel kann insofern auf die Häufigkeitsklassen Bezug genommen werden, als dass beispielsweise Begriffe der HK 22 wie „Knochenbildung“ oder „Immatrikulationsfeier“ tatsächlich ungeeignet für einen Elementar-Lernwortschatz wären.

Schließlich ist ein ganz entscheidender Faktor, dass die Frequenzliste die Wörter ohne Bezug zueinander angibt (was auch nicht ihr Anliegen ist!) und so die Reihenfolge als Vokabular unzweckmäßig ausfiele. Innerhalb einer Wortschatzlektion sollten die Begriffe jedoch einen Zusammenhang vermitteln, da es aus lernpsychologischer Sicht ratsam ist, Wortfelder zu eröffnen.

Da die Häufigkeitswerte also keine geeignete Basis für einen Wortschatz darstellen, müssen für die Erstellung andere Methoden in Betracht gezogen werden.

(Das Verb „heißen“ gehört laut Wortschatzportal Uni Leipzig der HK 9 an, während es in der DeReWo-Liste in HK 8 eingeordnet ist. Grund dafür wird vermutlich die unterschiedliche Datengrundlage sein.)

 

Die Analyse der Begriffsnetze lieferte im Vergleich zu den Häufigkeitswerten positivere Ergebnisse. Während die Häufigkeitswerte keinen Bezug auf Themenbereiche nehmen, stellt ein Begriffsnetz ganze Wortfelder da, in denen die Begriffe alle einem inhaltlich ähnlichen Kontext angehören.

Nachteilig erscheint allerdings die Tatsache, dass größtenteils Substantive aufgeführt werden, wohingegen Funktionswörter so gut wie gar nicht auftauchen. Zudem befinden sich innerhalb eines Netzes meist mehrere Niveaustufen. Daher müssten die Begriffe vor Erstellung eines Wortschatzes in verschiedene Sprachstufen eingeordnet werden. Außerdem tauchen auch hier gelegentlich Begriffe auf, die nicht sinnverwandt mit dem Suchwort sind.

Letztendlich eignen sich Begriffsnetze dennoch bedingt als Ausgangspunkt zur Wortschatzerstellung. Allerdings eben nur als Teilgrundlage und nach vorheriger Filterung unpassender Begriffe und Einteilung der Niveaustufen.

 

Obwohl die Trefferquoten der Begriffsnetze im Hinblick auf geeignetes Vokabular für einen Lernwortschatz meist etwas besser ausfielen als die der Kookkurrenzpartnersuche (http://corpora.ids-mannheim.de/ccdb/), halte ich diese Methode als geeigneten Ausgangspunkt für eine Wortschatzerstellung. So ist es auch hier möglich, Themenbereiche auf Basis relevanter und häufiger Wortverbindungen zu erstellen. Ein entscheidender Vorteil ist hier, dass die Ergebnisse bei Bedarf in Wortarten eingeteilt werden können. Auf dieser Grundlage könnte somit ein ausgewogener Themenkomplex erstellt werden.

Zudem halte ich die Auflistung der Kookkurrenzdatenbank (CCDB) für eindeutiger als ein Begriffsnetz, da dieses bei detaillierter Darstellung recht unübersichtlich erscheint. Außerdem zeigt das Begriffsnetz einen geringen Umfang an Wörtern auf, während die Auflistung der CCDB eine größere Datenmenge liefert.

Zwar werden auch hier einige Begriffe nicht in direkter Umgebung dargestellt (wie bei „Frühling“, „Sommer“, „Herbst“ und „Winter“), jedoch muss mit solch einer Hürde gerechnet werden, da die Begriffe in den Datenbanken demnach weniger häufig gemeinsam erscheinen als angenommen.

Folglich weisen die beiden alternativen Methoden jeweils ihre Vor-und Nachteile auf, erweisen sich jedoch als ergiebiger als die Häufigkeitswerte zur Erstellung eines Wortschatzes. Beide Vorgehensweisen gewährleisten weitestgehend eine Bezugnahme der Begriffe untereinander. Aus diesem Grund komme ich zu dem Schluss, dass sowohl die Begriffsnetze als auch die Kookkurrenzdatenbank als Basis zur Wortschatzerstellung dienen können, idealerweise sogar in Ergänzung zueinander, wenn auch jeweils noch einige Bearbeitungen und Einteilungen vorgenommen werden müssten.

Eine weitere Überlegung könnte in Bezug auf die Lernpsychologie angestellt werden: Möglicherweise können neue Erkenntnisse sich für die Wortschatzerstellung als dienlich erweisen!?

Ein Gedanke zu “Projekt-Ergebnis

  1. Großes Lob für die Website, obwohl ich ein paar kritische Einwände habe (siehe die anderen Kommentare). Größter Einwand: Sie reflektieren nicht, auf welcher Datengrundlage die Korpora basieren, aus denen die Häufigkeitslisten stammen. Diese Datengrundlage ließe sich ja verändern, um die anderen kommunikativen Situationen neben (hauptsächlich) Zeitungstexten, die für den DaF-Unterricht notwendig sind, zu berücksichtigen. Aber Sie zeigen schön die Probleme und die Bedürfnisse aus didaktischer Perspektive.

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