Thematische Einordnung

Thematische Wortfelder

Für die Untersuchung der Themen-/Wortfelder rund um den Begriff Wald wurde das DWDS-Korpus genutzt. Dabei wurden alle Korpora einbezogen (also auch Zeitungskorpora) und als minimaler Frequenzwert 5 eingestellt. Das Korpus zeigt drei verschiedene Wortfelder rund um den Begriff Wald:

positivneutralnegativ

Die positiven Attribute und Prädikative zeigen, dass der Wald für viele Menschen scheinbar ein Rückzugsort ist, an dem man Ruhe und Schutz findet. Er besitzt einen ganz eigenen Zauber, lässt an etwas Verwunschenes denken, da die Natur unberührt und schön wirkt. Der Wald ist etwas schützenswertes, das geschont und teilweise vor äußeren Einflüssen „gerettet“ werden muss.

In vielen Märchen ist der Wald jedoch eher ein Ort, an dem gruselige Dinge geschehen. Hänsel und Gretel werden darin ausgesetzt und begegnen einer Hexe, Rotkäppchen muss sich vor dem Wolf in Acht nehmen und auch Rumpelstilzchen hat seine Hütte im Wald. So ist es nicht verwunderlich, dass der Wald für viele Menschen ein dunkler, schwarzer Ort ist, der eher eine Bedrohung darstellt. Diese Ansicht lässt sich im DWDS-Korpus deutlich erkennen. Doch nicht nur der Wald wird in den Texten negativ bewertet, auch in der Formulierung des Umgangs mit ihm lässt sich eine negative Tendenz feststellen: der Wald wird vernichtet, geopfert und zerstört.

Als drittes Wortfeld steht der Wald als ein neutraler Lebensraum, der sowohl Ökosystem, als auch nützlicher Kohlenstoffspeicher ist. Er wird genutzt, indem er gerodet und bewirtschaftet wird.

Themenansicht Zeitspannen Cosmas II.

In welchen Texten vor allem der Begriff “Wald” auftaucht, zeigt diese Themenübersicht, die nach den meisten Treffern und Texten in den verschiedenen Kategorien sortiert ist.

  Treffer   

Texte

von bis Thema (>= 50%)

Formularbeginn

Zuverlässigkeitswert %

Formularende

82.933

49.848

1949 2013 Freizeit Unterhaltung: Reisen

39.971

28.283

1954 2013 Freizeit Unterhaltung: Vereine Veranstaltungen

29.496

18.069

1954 2013 Politik: Kommunalpolitik

14.002

7.228

1949 2013 Wissenschaft: Populaerwissenschaft

13.572

10.081

1954 2013 Technik Industrie: Unfaelle

12.460

4.693

1971 2013 Politik: Inland

7.844

4.816

1967 2013 Staat Gesellschaft: Familie Geschlecht

7.540

6.575

1964 2013 Rest: veranstaltungshinweise

7.470

5.780

1967 2013 Staat Gesellschaft: Verbrechen

6.622

4.584

1949 2013 Staat Gesellschaft: Biographien Interviews

4.441

2.664

1949 2013 Technik Industrie: Umweltschutz

Die Zeitspannen sind natürlich zu groß, um mit dieser Ansicht herauszufinden, wie sich die Themen chronologisch verändert haben. Die ersten fünf Einträge kann man aber zum Vergleich relativ gut nutzen, da die Zeitspannen ca. ab den 50er Jahren beginnen und 2013 enden, also in etwa gleich groß und deshalb auch aussagekräftig sind. Man kann erkennen, dass der Begriff “Wald” am häufigsten in der Kategorie “Freizeit Unterhaltung” auftritt, wobei es dabei um Reisen oder Vereinsveranstaltungen gehen kann. Am dritthäufigsten tritt das Wort “Wald” in der Kategorie Politik (dabei geht es um Ruhestätten, Naturschutzgebiet etc.) auf. Erst anschließend folgen Wissenschaft (Ort für Forschung, Lebensraum) und Technik (Unfälle, Feuerwehreinsätze). Erst auf Platz 11 geht es um den Umweltschutz. Dieses Ergebnis hätte man vielleicht anders erwartet, jedoch ist erst in den 80er Jahren vermehrt der Umweltschutz als Thema aufgetreten und die betrachtete Zeitspanne beginnt schon 1949.

In den 80er Jahren tritt vermehrt der kulturelle Aspekt (Kunst, Film etc.) hinzu, Vermerke in der Literatur lassen sich jedoch schon seit den 40er Jahren finden. Interessant ist, dass ab den 90er Jahren (nicht hier in der Ansicht zu sehen) der Sport  in Verbindung mit dem Wald in den Fokus tritt.

Thematische Jahrzehntansicht mit COSMAS II.

Mithilfe der Jahrzehntansicht in Cosmas II. lässt sich ein guter Überblick über die thematische Entwicklung gewinnen. Für die Kookurrenzanalyse wurde das Archiv geschriebener Sprache ausgewählt und dabei alle öffentlichen Korpora des Archivs W betrachtet. Als Suchwort diente „Wald“.

Da Mitte des 20. Jahrhunderts anfänglich noch nicht viele Texte in das Archiv eingespeist wurden, lässt sich schon von der Anzahl von Treffern und Texten ablesen, dass die Ergebnisse im Vergleich zu den späteren Jahren des 20. Jahrhunderts nicht aussagekräftig sind.

Treffer    Texte    Zeit

93

30

1950-1959

173

60

1960-1969

104

46

1970-1979

630

361

1980-1989

62.564

42.445

1990-1999

123.396

80.175

2000-2009

92.547

57.455

2010-2019

Aus diesem Grund wurde sich beschränkt auf 1950-1989 (ortsgebundene Attribute wurden ausgeklammert).

1950-1959: finster, schwarzer, nächtlicher, grüner, ferner, richtiger, tiefer, schöner, schmaler, gesunder

1960-1969: dichter, gerodet, schwarz, kühl, wachsend, südlich, zerschossen, wild, heimisch, jung, verarmt, düster

1970-1979: richtiger, großer, nahen, verwunschen, einsam, nächtlich, verlorener, vergesslicher, geräumig, strahlend, schützend

1989-1989: dunkel, labyrinthisch, sterbend, schöner, kleiner, großer, toter, tropischer, rauschend, bedroht, tiefer, schwarzer, bewirtschafteter, krank, jung, gestresst, gesund, kostbar, natürlich, stadtnah, kaputt, lebend, lichter, gereinigt, fackelerhellt, überzeugend, unberührt, herbstlich, verkohlt, abgelegen, künstlich, dicht

Kursiv markiert sind die Wörter, die in den Jahren sehr häufig aufgetreten sind.

In den 70er Jahren treten vermehrt Adjektive auf, die sehr prosaisch (“verwunschen”, “nächtlich”, “strahlend”) klingen. Da das Korpus nicht gleichmäßig anteilig auf die Textsorten verteilt ist, kann es durchaus sein, dass der Anteil an Belletristik in diesem Jahrzehnt höher war als beispielsweise die Menge an Zeitungsartikeln.

Interessant ist die Entwicklung der Wörter/Adjektive, die eher negativ konnotiert sind (z.B. dunkel, schwarz, krank, sterbend). Teilweise treten diese in den früheren Jahren der Betrachtungen nicht auf. Natürlich gab es in der früheren Zeit auch weniger Quellen, sodass automatisch weniger Treffer vorhanden sein können. In den 80ern gibt es schon eine höhere Anzahl an Texten und es treten offensichtlich mehr Adjektive auf, die in naher Umgebung zum Wort “Wald” stehen. Somit ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich mehr negative Adjektive finden lassen. Abgesehen davon, könnte die Veränderung auch mit der gesellschaftlichen Entwicklung zu tun haben? Hat sich der Umgang mit der Natur verändert?

In den 80er Jahren war das “Waldsterben” ein großes Umweltthema. Aufgrund von saurem Regen und anderer Schadstoffbelastung stellte man erschreckende Prognosen auf, die für den Wald keine gute Zukunft sahen. Daraufhin wurden die Gesetze verschärft und Schadstofffilter und Katalysatoren eingeführt. Man kann davon ausgehen, dass aufgrund dieses Themas in den Medien die Problematik “Wald” oft erwähnt wurde, gerade in negativem Zusammenhang, der sich in den Attributen niederschlägt.

Ein Gedanke zu „Thematische Einordnung

  1. Interessante Befunde und Kommentare. Achtung: Die Bedeutung von “prosaisch” ist “sachlich”, “nüchtern”. Sie meinen wahrscheinlich eher “poetisch”.

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