4.1 Schlagwort: “Fortschritt”

4.1 Schlagwort: „Fortschritt“

 

Treffer 53.791

12,57 pMW (pro Million Wörter)

Aus Korpus: IDS (DeReKo) Deutsches Referenzkorpus

(Quelle: https://cosmas2.ids-mannheim.de/cosmas2-web/)

 

Das Schlagwort „Fortschritt“ erscheint auf den ersten Blick ein viel versprechender Ausgangspunkt für weitere Forschungen zum Thema Schnelllebigkeit. Es ergeben sich, wie bereits erwähnt, über 53 Tsd. Treffer bei einem Häufigkeitswert von 12,57 pMW. Das ist (zufälligerweise ?) eine ähnliche Trefferquote wie bei dem vorangegangen Schlagwort „Stress“. Auch hier ergeben sich nennenswerte Treffer erst ab dem Jahre 1990, was auf den bereits diskutierten Einspeisungszeitpunkt von Texten in den Korpus DeReKo zurückzuführen ist.

 

Suche nach Wort: „Fortschritt“

- Korpus: IDS-DeReKo

- Archiv: alle öffentlichen Korpora des Archivs W (COSMAS II)
- Schreibweisen: alle Schreibweisen werden geduldet (“Fortschritt”, “FORTSCHRITT”, “fortschritt”, etc.)
- Werte sind teils gerundet

Insgesamt: (Treffer) 1770 – 2013 Jahr
Texte: 42.419 (“Stress”: 41.560)
Wörter: 53.791 (“Stress”: 52.127)

 

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Jahrzehntansicht: (Treffer) Anteile

1770-1829: 13 in 10 Texten (zusammengefasst)
1940-1949: 30 in 25 Texten (69 pMW)
1950-1959: 114 in 55 Texten (64 pMW)
1960- 1969: 156 in 108 Texten (55 pMW)

1970- 1979: 157 in 102 Texten (80 pMW)

1980- 1989: 676 in 499 Texten (57 pMW)

1990- 1999: 14.112 in 12.173 Texten (14 pMW)

2000-2009: 22.450 in 16.977 Texten (13 pMW)

ab 2010: 16.083 in 12.470 Texten (11 pMW)

 

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Erste Bemerkungen zur Auswertung bzgl. Treffer und Frequenz:

Auf Grund der zu geringen Textanzahl bis zum Jahre 1990 kann natürlich nicht von einem ausreichend großen Korpus gesprochen werden. Dennoch ist eine fast feststehende Häufigkeit zwischen 55 pMW und 80 pMW unübersehbar. Das könnte darauf hindeuten, dass das Wort „Fortschritt“ gleich bleibend oft verwendet wird und somit nicht viele verschiedene semantische Möglichkeiten bzw. Deutungen bietet, die neben dem bloßen Wort “Fortschritt” verwendet werden. Man könnte annehmen, wenn der Korpus zu dieser Zeit größer gewesen wäre, dass dieses Wort nicht in anderen semantischen Zusammenhängen, wie “Stress” und Depressionen bzw. “Hektik” und Schnelllebigkeit benutzt wird. Zu dieser Annahme könnte man schließen, da eine fast gleich bleibende Frequenz (55-80 pMW) sehr unwahrscheinlich mit einer gleich bleibenden Verwendung des Wortes “Fortschritt” in Bezug auf Schnelllebigkeit über die vielen Jahre ist.

Nach dem Jahre 1990 erhöht sich die Anzahl der Texte merklich und man kann von einem relativ ausreichend großen Korpus im DeReKo sprechen.  Auch hier ist die Häufigkeit sehr konstant (11-14 pMW) und somit könnte man die bereits oben genannten Schlüsse vor 1990 übernehmen mit dem Unterschied, dass es sich um eine ausreichend große Anzahl von Texten handelt und somit für Forschungszwecke bedeutend relevanter ist. Das deutliche Absinken der Häufigkeit vor und nach 1990 lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht genau erklären. Es wird vermutet, dass die verschiedenen Textsorten dafür verantwortlich sind, die erst ab 1990 überhaupt auftraten, insbesondere solche Textsorten, welche typischerweise dieses Wort (“Fortschritt”) öfter verwenden.

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Länderansicht:
A: 8 Tsd. (“Stress”: 6 Tsd. Wörter 12 %)
CH: 5 Tsd. (“Stress”: 8 Tsd. Wörter 15 %)
D: 41 Tsd. (“Stress”: 38 Tsd. Wörter 73 %)

 

Bemerkung:

Bei der Länderansicht kann keine besondere Auffälligkeit erkannt werden. Auch sind die Zahlen zum Schlagwort „Stress“ relativ identisch. Die Unterschiede der einzelne Länder müssen nicht weiter kommentiert werden und haben ihre Gültigkeit.

 

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Schlagwort: “Fortschritt” (im Korpus IDS: DeReKo)

Textsortenansicht: (sortiert nach rel. Häufigkeit)

1. Fernsehrezension: 142 pMW bei 1 Treffer
2. Gespräch: 62 pMW bei 1 Treffer
3. Anzeigentext: 14 pMW bei 53 Treffer

4. Bilanzbericht: 53 pMW bei 2 Treffer

5. Kommentar: 40 pMW bei 116 Treffer

6. Serie: 40 pMW bei 50 Treffer

7. Expertenmeinung: 36 pMW bei 2 Treffer

8. Essen und Trinken: 34 pMW bei 1 Treffer

 

Textsortenansicht: (sortiert nach Treffer)

1. undefiniert: 32.026 Treffer (60 % !!) in 28.426 Texten 11 pMW (“Stress”: 42.161 Treffer in 33.967 Texten 14 pMW)
2. Plenarprotokol: 9.729 Treffer in 3.932 Texten 31 pMW (“Stress”: Bericht 5.075 Treffer in 4.146 Texten 14 pMW)
3. Enzyklopädie-Artikel: 5.905 Treffer in 4.621 Texten 10 pMW (“Stress”: Enzyklopädie-Artikel 2.880 Treffer in 1.852 Texten 5 pMW)
4. Bericht: 5.069 Treffer in 4.544 Texten 14 pMW (“Stress”: Plenarprotokoll 793 Treffer in 602 Texten 3 pMW)

5. Feuilleton: nur 411 Treffer (!!) in 340 Texten 19 pMW

 

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Erste Auswertung:

Die Ansichten sind sortiert beginnend mit dem höchsten Wert. Anhand der Textsortenansicht sortiert nach relativer Häufigkeit erscheint es auf Grund der wenigen Texte nicht sinnvoll eine Vermutung zu äußern. Bei der zweiten Textsortenansicht sortiert nach Treffer lassen sich schon eher erste anfängliche Schlüsse ziehen. Die undefinierte Spalte ist wieder, wie beim Wort “Stress”, die mit Abstand größte (60 % von allen Treffern). Das ist durchaus kritisch zu sehen und sehr hinderlich bei der Auswertung.

Folgende Fragen müssen geklärt bzw. zumindest gestellt werden: Welche Texte, Textsorten etc. befinden sich im undefinierten Bereich? Die Antwort könnte wie bei dem Wort “Stress” bereits angedeutet ebenfalls hilfreich sein. Leider stehen uns die Daten nicht zur Verfügung und sind somit nicht weiter auswertbar.

Interessant ist jedoch die Verteilung der Treffer der Zweit- bis Viertplazierten. Es handelt sich um Verteilungen die ab dem Fünftplazierten rapide auf unter 500 Treffer zurückgehen. D.h. die ersten vier Platzierungen beherrschen die Verteilung. Auch ist die Verteilung der Textsorten auffallend identisch mit der vorangegangenen Auswertung des Wortes “Stress”. Es handelt sich um die Textsorten: Berichte, Plenarprotokol oder Enzyklopädie-Artikel. Die auffällige Verteilung könnte einerseits mit der falschen und zu häufigen Klassifizierungen dieser drei Textsorten zu tun haben. D.h. bei einigen Texten könnte es sich gar nicht um die betreffende Textsorte handeln. Eine viel simplere Begründung wäre natürlich, dass das Wort “Fortschritt” (bzw. “Stress”) in diesen Texten einfach auf Grund der Textsorte und des Genres oft verwendet wird.  Nichts desto trotz ist die beherrschende Vormachtstellung dieser drei Textsorten in beiden Schlagwörtern sehr auffällig und kritisch zu sehen.

 

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Thematische Gliederung: (sortiert nach Treffer)

1. Politik Inland: 13.667 Treffer 26 pMW (“Stress”: Staat/Gesellschaft: Familie 8.813 Treffer 65 pMW)
2. Politik Ausland: 5.034 Treffer 26 pMW (“Stress”: Freizeit/Unterhaltung: Reisen 7.167 Treffer 15 pMW)
3. Freizeit, Unterhaltung, Reisen: 3.954 Treffer 8 pMW (“Stress”: Freizeit/Unterhaltung: Vereine 5.031 Treffer 14 pMW)
4. Wissenschaft Populär: 3.860 Treffer 33 pMW (“Stress”: Gesundheit/ Ernährung 4.866 Treffer 85 pMW)
5.Politik Kommunal: 3.620 Treffer 12 pMW (“Stress”: Staat/Gesellschaft: Biographien 4.094 Treffer 43 pMW)
6.undefiniert: 3.123 Treffer 10 pMW (“Stress”: Wissenschaft: Populärwissenschaft 3.850 Treffer 33 pMW)
7.Gesundheit/ Ernährung: 2.263 Treffer 39 pMW (“Stress”: Sport: Fussball 2.546 Treffer 7 pMW)
8.Staat/Gesellschaft: 2.160 Treffer 16 pMW (“Stress”: Kultur: Musik 2.211 Treffer 12 pMW)

 

Bemerkungen:

An dieser Stelle soll erwähnt werden, dass es sich hier nicht um einen Vergleich zwischen den beiden Schlagwörtern handeln soll, sondern eher um einen Versuch das Thema Schnelllebigkeit in den Texten des Korpus zu erkennen und deren Diskurs auszuwerten. Das Schlagwort “Stress” repräsentiert hier eher den negativen Trend der Schnelllebigkeit und das Schlagwort “Fortschritt” eher den positiven Aspekt. Das sind natürlich wiederum nur subjektive Annahmen, die man nicht von den objektiven Annahmen ohne weiteres ausschließen bzw. trennen kann. Im Laufe von weiteren Auswertungen des Themas kann man noch andere Wörter hinzufügen, die passend erscheinen.

Bei dem Wort “Fortschritt” ergab sich eine hohe Trefferquote in der Politik. Interessanterweise erscheint die Politik beim Schlagwort “Stress” nicht in den „Top8“. Auffallend ist auch, dass beim “Fortschritt” die Themen Gesundheit/Ernährung und Staat/Gesellschaft im Vergleich zum Wort “Stress” nicht ganz oben in der Liste auftauchen.

 

Fazit:

Man könnte die gemeinsamen Themen beider Schlagwörter in den „Top8“: Gesundheit/ Ernährung, Staat/ Gesellschaft, Freizeit/ Unterhaltung/ Reisen, Wissenschaft/ Populär nunmehr näher unter die Lupe nehmen und versuchen zu klären, warum in den Texten “Fortschritt” und “Stress” gleichzeitig auftauchen und ob es eine Verbindung dazu gibt. Insbesondere ob die negativen mit den positiven Aspekten einhergehen.

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