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Shifting Right? Diskursverschiebungen und politischer Sprachgebrauch

Am 6. und 7. Juli 2017 findet an der TU Dresden ein Workshop zum Thema Shifting Right statt.

Das deutliche Erstarken rechter Bewegungen, das erneute Scheitern eines NPD-Verbotsverfahrens, die zunehmende Sichtbarkeit rechter Denk- und Argumentationsmuster in der Öffentlichkeit sowie die gründliche Re-Ideologisierung der politischen Feldes auf nationaler, europäischer und nicht zuletzt globaler Ebene irritieren nicht nur Bürger_innen, sondern in verstärktem Maße auch politische Akteur_innen und Expert_innen. Dabei ist strittig, ob sich die Mitte der Gesellschaft radikalisiert oder vielmehr radikale Ansichten soweit normalisiert werden, dass sie als mehrheitsfähig erscheinen. Die Widersprüchlichkeit von Wahl- und Meinungsumfragen und realem politischen und sprachlichem Handeln tut ihr Übriges zur Verunklarung einer klaren begrifflichen Differenzierung des gesellschaftlichen Wandels in den letzten Monaten und Jahren. Kann also von einem Rechtsruck in Deutschland gesprochen werden und, falls ja, was genau ist darunter zu verstehen? Hat nach der Aufnahme der vielen Geflüchteten im Herbst 2015 eine diskursiver Bruch stattgefunden? Und welche Rolle spielt der Populismus als Politikstil und strategische Ressource?

Der Workshop soll Forscher_innen verschiedener Disziplinen zusammenbringen und ihnen die Möglichkeit geben, eine wissenschaftliche Debatte über den Rechtsruck zu beginnen, mögliche Analysemethoden zu diskutieren und erste Ergebnisse zu bewerten. Ziel des zweitägigen Workshops ist es, die Frage, ob es in der näheren Vergangenheit einen Rechtsruck gegeben hat, aus unterschiedlichen inter- und transdisziplinären Perspektiven zu beleuchten und ggf. auch zu beantworten.

Inklusive Diskussion stehen für jeden Vortrag 45 Minuten zur Verfügung. Folgende Fragenkomplexe sollen dabei im Mittelpunkt stehen:

  • Hat es eine Verschiebung der Grenzen des Sagbaren gegeben oder werden lediglich argumentative Muster aktualisiert, die schon in früheren Zeiten, in denen Migration ein zentrales Politikfeld war, zur Sprache kamen?
  • Haben sich Themen, die früher von konservativen oder rechten Parteien besetzt wurden, zu Querschnittsthemen entwickelt? Welche sprachlichen Realisierungsmus- ter haben dazu beigetragen?
  • Sind Wortschatz und Argumentationsmuster der Neuen Rechten von Massenmedien übernommen worden, bzw. sind sie zum dominanten politischen Wortschatz in sozialen Netzwerken geworden?
  • Hat der mit der Digitalisierung einhergehende Medienumbruch dazu geführt, dass sich öffentliche Debatten stärker polarisieren und so auch vermehrt rechte Positionen verhandelt werden?
  • Gibt es eine neue Qualität in der Online- und Offline-Mobilisierung bei rechtem Protest?
  • Wird das Epistemische als diskursive Ressource verwendet bzw. der Verlust der Deutungsmacht von Autoritäten mit einer Aufwertung eines scheinbar „gesunden Menschenverstands“ vorangetrieben?
  • Ist der Rechtsruck nur das Ergebnis eines Medienhypes oder des Resonanzkalküls einer Minderheit? Oder ist die Hegemonie von Radikalisierungssemantiken dafür verantwortlich, dass unsere Gesellschaft als polarisierter beschrieben wird?
Studierende und Interessent_innen aller Art sind zum Workshop herzlich eingeladen!

PROGRAMM

    Programm (Stand: 26.06.2017)

    Donnerstag, 06.07.2017,

    Raum: ABS 2006
    13:00 Eröffnung der Tagung
    13:15 Andreas Blätte (Universität Duisburg-Essen): Frames im Diskurs über Flüchtlinge: Lokale Medien im Vergleich
    14:00 Martin Wengeler (Universität Trier): Heimatvertriebene, Armutsflüchtlinge, Asylanten und Geflüchtete. Zum Wortschatz von Migrationsdiskursen in der Bundesrepublik Deutschland

    14.45-15.00 Kaffeepause

    Raum: ABS 1001
    15:00 Joachim Scharloth (TU Dresden) Debatten in der Echokammer? Quellen und ihre Kontextualisierung auf rechten Nachrichtenseiten
    15:45 Melani Schröter (University of Reading, Grossbritannien): Die schweigende Mehrheit. Tabuisierungsvorwürfe als (De-)Legitimierungsstrategie für Diskursverschiebungen im Anti-PC Diskurs der Neuen Rechten

    18:15 Studentische Posterpräsentation (Wiener Straße 48, Erdgeschoss)

    19:00 Podiumsdiskussion zum Thema "Verrohung der politischen Sprache" (Wiener Straße 48, Hörsaal 004)
    mit Katja Kipping (MdB, DIE LINKE), Torsten Herbst (Generalsekretär FDP Sachsen), Sebastian Fischer (MdL, CDU), Melani Schröter (Linguistin, University of Reading)


    Freitag, 07.07.2017

    Raum: W48 001
    09:00 Michaela Schnick (TU Dresden): Eine toposanalytische Perspektive auf die gesellschaftliche Mitte
    09:45 Simon Meier-Vieracker (TU Berlin): Userkommentare auf Social Media Sites der AfD und ihrer Kritiker – Ein korpuslinguistischer Werkstattbericht

    10:30-11:00 Kaffeepause & Studentische Posterpräsentation

    11:00 Anne-Marie in der Au und Tim Tschapek (TU Dresden): Bericht aus dem BMBF-Projekt "Algorithmischer Strukturwandel der Öffentlichkeit"
    11:45 Zusammentragen der Ergebnisse, Abschlussdiskussion

    12:30 Ende des Workshops
Kontakt

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